Ich mag Menschen gerne

Christiane Staab
Christiane Staab

Zwanzig Jahre war Simone Schweiger bei A1 Telekom Austria tätig, teils in leitender Funktion. Doch dann entschied sie sich für einen kompletten Neuanfang und leitet heute das Frauenhaus in Mödling.

Ihr Weg dorthin begann mit einem Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Burgenland, dem eine einjährige Auszeit vorausging. In dieser Zeit wollte sie sicherstellen, dass sie die richtige Entscheidung für ihre Zukunft trifft, und absolvierte verschiedene unbezahlte Praktika in der Elementarpädagogik, Pädagogik und pflegenden Berufen. Schnell merkte sie, dass dies nicht das Richtige war. Schließlich wurde ihr ein Studium der Sozialen Arbeit empfohlen, und sie entschied sich für die Hochschule Burgenland am Standort Eisenstadt.

Das Studium stellte sie vor große Herausforderungen.

Nach 20 Jahren wieder die (Hoch)Schulbank zu drücken, war eine totale Umstellung. Aber ich fand rasch Anschluss und eine motivierende Lerngruppe, mit der wir uns gegenseitig unterstützten.

Simone Schweiger, Absolventin der Hochschule Burgenland

Die Zeit war auch intensiv, da sie parallel neben dem Vollzeit-Studium 20 bis 25 Stunden pro Woche beim Roten Kreuz arbeitete und oft direkt nach dem Nachtdienst ohne Schlaf zur Hochschule fuhr.

„Wer das meistert, weiß, dass er es wirklich will“, sagt sie. „Ein Studium im zweiten Bildungsweg, mit Familie und finanziellen Verpflichtungen, klingt oft leichter, als es ist. Umso glücklicher war ich, die Bachelorprüfung beim ersten Versuch zu bestehen.“

Besonders wertvoll am Studium waren für sie die rechtlichen Inhalte sowie die Grundlagen der soziomateriellen Sicherung, die sie heute im Job täglich anwendet. Auch das Training in Kommunikationstechniken und die Praktika schätzte sie sehr. Über eines dieser Praktika lernte sie das Frauenhaus Mödling kennen. Als die Geschäftsführerin dort ausschied, wurde ihr sofort die Position angeboten – und Simone Schweiger wagte den Sprung ins kalte Wasser. „Ich hatte zwar viel Leitungserfahrung, aber war eine völlige Newcomerin in der Sozialen Arbeit.“

Ihr berufliches Netzwerk konnte sie mit Unterstützung ihrer Lehrenden an der Hochschule Burgenland schnell ausbauen.

Das Frauenhaus Mödling ist das zweitgrößte in Niederösterreich und bietet Platz für zehn Frauen und bis zu elf Kinder. Sechs Mitarbeiter*innen unterstützen die Bewohner*innen und ihre Kinder dabei, sich nach häuslicher Gewalt wieder zu verselbstständigen. Dazu gehören Hilfestellungen bei Schuldenregulierung, Jobsuche, Scheidung und Bewährungsauflagen. Auch eine enge Zusammenarbeit mit der Erwachsenenvertretung und der Kinderschutzeinrichtung Möwe, die Therapieangebote für die Kinder organisiert, ist Teil der täglichen Arbeit. „Im Frauenhaus deckt man alle Handlungsfelder der Sozialen Arbeit ab“, sagt sie begeistert.

Zusätzlich zu den Aufgaben der Betreuung als Sozialarbeiterin nimmt Simone Schweiger als Geschäftsführerin Termine mit politischen Vertreter*innen wahr, ist budgetverantwortlich und organisiert die gesamte Öffentlichkeitsarbeit.

Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein. Kein Tag ist wie der andere, und das liebe ich. Ich habe mein sicheres Umfeld bei A1 Telekom hinter mir gelassen, um Neues zu entdecken – und ich bereue keinen einzigen Tag.

Simone Schweiger, Geschäftsführerin des Frauenhauses Mödling

Der Kontakt und Austausch mit Menschen ist für Simone Schweiger essenziell, ebenso wie die Zusammenarbeit mit politischen Funktionär*innen. „Konflikte scheue ich nicht – im Gegenteil, ich gehe sie aktiv an, denn nur so kann man Veränderungen bewirken. „Ich probiere gerne Neues aus, wie zum Beispiel einen männlichen angehenden Sozialarbeiter als Praktikanten im Frauenhaus einzusetzen. Diese Erfahrung war für das gesamte Team als auch für die Bewohner*innen im Haus sehr bereichernd und wurde wissenschaftlich begleitet.“

Ihr Appell: „Mehr Zusammenarbeit mit der Politik, denn nur sie kann die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen – jedoch unter Einbezug der Expertise und Erfahrungen von Professionist*innen der Sozialen Arbeit. Ein erster Schritt ist getan, doch das reicht bei Weitem nicht aus.“


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